Die Frau, die das Zahlungssystem im Profifußball enthüllen will, ist eine aparte Schönheit. Schwarzes Haar, schwarze Augen, blasser Teint. In Peru wurde Fiorella Faré einst in Dessous bekannt: Auf ihrem berühmtesten Plakat posierte sie in weißer Spitzenwäsche an einer Avenida Limas, Autofahrer gerieten vor ihren Kurven ins Schlingern. Nun hat das Topmodel beschlossen, mutmaßliche Abzocker aus der Kickerszene zu entblößen, vorneweg ihren bisherigen Gatten und dessen Partner.
Im Anwesen ihres neuen Begleiters im Edelviertel San Isidro sitzt der hübsche Racheengel Faré, 31, unter einem Kronleuchter vor Bergen von Papier, zwei Pudel trippeln herum. “Das ist jetzt meine Arbeit”, sagt sie. Auf einem Eichentisch mit Kamelhaardecke stapeln sich Kopien von vielen der 4000 Dokumente, die sie in ihren Besitz gebracht hat, die Originale lagern in einem Safe. Ein Rechner und eine Lupe liegen bereit, es geht um Millionen und Kleingedrucktes. “Claudio Pizarro” steht auf Ordnern, “Werder Bremen”, “Bayern München” und so weiter. Manche Akteure sind darin entkleidet bis auf die Kontoführung.
Der Werder-Vorstandsvorsitzende Jürgen Born musste wegen der Affäre schon zurücktreten. Er soll mindestens 50000 Dollar bekommen haben von der Spielervermittlerfirma Image S.A. und deren peruanischen Chef Carlos Delgado, Farés Ehemann und inzwischen ihr Erzfeind. Damals ging es um den Transfer des mittelmäßigen Stürmers Roberto Silva für 1,3 Millionen Dollar von Cristal Lima nach Bremen, nur ein Detail aus dieser bisher einzigartigen Datensammlung.
Vor allem geht es um Delgado selbst und um seinen Teilhaber Pizarro, früher Torjäger der Bayern, dann FC Chelsea, nun wieder treffsicherster Bremer. Mehr als 70 Profis und Vereine aus Bundesliga und anderen Ländern kommen vor in Delgados Geschäften, auch Paolo Guerrero, Nelson Haedo Valdéz, Klaus Allofs. Und gewaltige Beträge, seltsamen Adressen, die Staat und Justiz alarmieren.
Wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und der Bildung einer illegalen Vereinigung ermitteln Perus Staatsanwaltschaft, Antikorruptionsbehörde, Parlament. Sie vermuten, dass die Causa ein Paradebeispiel für die Machenschaften der Branche sein könnte. Eine weitere Klage landete beim Fußball-Weltverband Fifa, bei der Delgado als Spielerberater lizenziert ist. Auch gegen die Fifa-Regeln könnten er und Pizarro verstoßen haben. Es drohen Sperre, Strafen oder Gefängnis – auf Geldwäsche stehen in Peru 30 Jahre Haft. Alle Anzeigen laufen unter ihrem Namen, Mariana Fiorella Faré Carrasco, Peruanerin mit italienischem Zweitpass und betrogene Gattin. Sie sagt: “Ich zeige nur an, was ich gefunden habe.”
Sie fand diese zwei Koffer, die in diesem plüschigen Raum unter dem Ölbild im Eck lehnen. Damit ging die Geschichte im Juni 2007 los. Damals trennte sich die Werbefigur von dem zwölf Jahre älteren Delgado, den sie 1997 in der Kirche Virgen del Pilar geheiratet hatte. Sie wurde seinerzeit Zweite bei der Wahl zur Miss Peru, er war einer der Juroren.
Die Scheidung ist längst eingereicht, sie hätte allerdings vorher gerne die Besitzverhältnisse geklärt. Delgado gab 266.000 Dollar an und hinterließ ihr bloß ein Mobiltelefon mit einem Saldo von fünf Soles, gut einem Euro. Sie und ihr Beraterstab ahnen längst, dass mit dem gemeinsamen Unternehmen Image Dutzende Millionen Dollar verdient und vielfach am Fiskus vorbei geschleust wurden. Viele davon allein mit und womöglich auch durch Pizarro.
Vermutlich hätte sich die Sache mit einem höheren Betrag von Delgado als Abfindung erledigen lassen. Faré wollte dem Vernehmen nach nur eigene Ansprüche prüfen, da stieß sie auf ein verdächtiges Imperium. Wenn man sie fragt, wozu dieser Aufwand, der die Nation erschüttert und bis in die Bundesliga ausstrahlt, dann antwortet sie kühl: “Ich will, dass diese Sache bis ins Letzte aufgeklärt wird. Und ich will wissen, was unser Vermögen ist und welches Geld davon sauber ist, ich will keinen schmutzigen Dollar. Falls es da noch sauberes Geld gibt.”
via Bremer Transferaffäre – Racheengel mit zwei Koffern – Bundesliga – Das große Fußball-Spezial – sueddeutsche.de.