Als Clemens Fritz vor zwei Jahren aus Leverkusen zu Werder kam, hatte er konkrete Vorstellungen. International, bitteschön, wollte er spielen, und schließlich spielte er in Champions League und Nationalelf. Teil zwei seiner Bremer Karriereplanung lässt hingegen auf sich warten: ein Titelgewinn. Jetzt startet der 27-Jährige in seine dritte Saison bei Werder, das Ziel, einen Titel, hat er im Blick. Aber auch seine Zukunft. Und die schließt einen Vereinswechsel nicht aus.
Im Trainingslager in Schruns hat Clemens Fritz gestern locker und unbefangen über das geplaudert, was im nächsten Jahr sein könnte. Sein Vertrag läuft Ende Juni 2009 aus, und “konkret”, betont er, “gibt es da noch nichts. So intensive Gedanken hab’ ich mir noch nicht gemacht”. Es war ja auch Urlaubszeit, auf Formentera hat Fritz nach der EM anderthalb Wochen die Beine baumeln und Fußball Fußball sein lassen.
“Unkonkret” betrachtet er seine berufliche Entwicklung trotzdem: Vielleicht mal ins Ausland, “ich könnte mir das gut vorstellen”, ganz vielleicht mal ein Wechsel innerhalb der Bundesliga, aber “da gibt’s ja nicht mehr so viel”, was in Frage kommt. Man will sich ja nicht verschlechtern. Und so könnte die Zukunft des Werderaners Clemens Fritz am Ende auch Bremen heißen. Erstens ist das alles eben noch sehr unkonkret, zweitens gibt es vor der Entscheidung, die möglichst Anfang 2009 stehen soll, noch einiges zu besprechen mit Verein und Berater. Und überhaupt: “Ich bin da eigentlich immer relativ entspannt. Es ist ja nicht so, dass ich sage: Nächstes Jahr ist Abfahrt.”
Zunächst einmal geht es ohnehin um diesen unerfüllten Punkt auf seiner grün-weißen Agenda. Endlich ein Titel. Nun gut, da gab’s mal den Ligapokal 2006, doch was zählt schon dieses mittlerweile abgeschaffte Lückenfüllerturnier? Die Schale in der Hand zu halten, das wäre was.
Dazu aber müssen die Voraussetzungen stimmen. Der Rechtsverteidiger plädiert deshalb für die Verpflichtung eines hochkarätigen Stürmers. Schließlich habe der Angriff zwar Qualität, “aber auch mit Ivan Klasnic einen wichtigen Stürmer abgegeben”. Auch im Weggang von Tim Borowski, Patrick Owomoyela oder Pierre Wome macht Fritz einen Aderlass aus. Ein Ausgleich muss her.
Allzu viel Zeit sollte sich Werder mit der Suche nach einem Neuen allerdings nicht lassen, rät Fritz. “Je knapper die Zeit wird, desto schwieriger ist es, was Geeignetes zu finden.” Gut fünf Wochen ist das Transferfenster noch geöffnet, doch ausreizen dürfe man diesen Rahmen nicht – Fritz hält das gar für kontraproduktiv: “Es nutzt ja nichts, kurzfristig einen zu holen, der dann noch nicht richtig im Saft steht.” Und das sollte ein potenzieller Zugang. In Schruns allerdings ist laut Trainer Schaaf eher nicht mit neuen Gesichtern zu rechnen.
An den Zielen ändert das natürlich nichts. “Ist doch klar, wir wollen auch mal Meister werden”, sagt Fritz und macht den üblichen Verdächtigen als seinen Liga-Spitzenkandidaten aus. Natürlich, die Bayern. “Sie sind der Favorit, den wir anscheinend wieder jagen müssen”, prognostiziert Fritz und schiebt lachend hinterher: “Mir wäre es lieber, wenn die uns jagen.”
Neben der Meisterschaft aber gibt es natürlich auch noch andere Eisen im Titelfeuer. Den DFB-Pokal zum Beispiel. Und mit dem hat es für Clemens Fritz eine besondere Bewandtnis. “Pokal”, überrascht der blonde Thüringer seine Zuhörer, “Pokal habe ich noch nie gespielt für Werder.” Gesperrt oder verletzt war er in seinen beiden ersten Bremer Jahren immer dann, wenn es auf den Weg nach Berlin ging – ob die Gegner nun Pirmasens, Braunschweig, Duisburg oder Dortmund hießen.
Das Hauptstadt-Finale hat Werder beide Male verpasst. “Vielleicht”, frotzelt Fritz, “liegt’s ja auch daran, dass mich der Trainer immer rausgelassen hat.” Lässt sich sicherlich ändern – aber so einfach ist es dann doch nicht mit Karriereziel Titelgewinn.
