EM 2008 Deutschland – Portugal (Eine Zusammenfassung)
Huup, Huup, Huup – Deutschland ist im Halbfinale und das völlig verdient, mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und einem neuen System ließen sie die Portugiesen alt aussehen, wer braucht schon einen C.Ronaldo wenn er einen Michael “EL Capitano” Ballack und Bastian “Ich schieß von überall” Schweinsteiger hat. Deutschland ist und bleibt eine Turniermannschaft. Sollte es bei der Tendenz bleiben sehe ich für Deutschland, zwangsläufig nur den Europameistertitel und das wäre nach dem wir jetzt schon zu den 4 Besten Europas gehören, doch ein schöner Abschluss.
Jetzt heißt es erstmal als Fan schön die anderen Spiele beobachten, zurück legen und der Dinge harren, die uns erwarten.Â
Wie mittlerweile gewohnt eine Spielerbewertung: (sicher etwas patriotischer als sonst)
Jens Lehmann
Trug ein Trikot in Textmarker-Grün, was ihn sichtbar verjüngte. Scheint auf dem Weg zur alten Sicherheit. Griff einige Male beherzt zu, kennt sich auch innerhalb seines Strafraums wieder besser aus. Gute Reaktion vor dem 1:2, aber leider vergeblich. Gab’s mal eine Lehmann-Debatte? Sicher wie eh und je.
Philipp Lahm
Der ideale Mann für dieses Spielsystem sowie alle anderen Spielsysteme auf der Welt. Geschickter Pressingspieler, der gerne eine Fußspitze vor dem Gegenspieler an den Ball kommt, wobei diese Fußspitze den Ball meist auch konstruktiv weiterleitet. Zog häufig empörte portugiesische Blicke auf sich und Beschwerden wegen Balldiebstahls. Vom Schiedsrichter immer freigesprochen, Fouls lehnt Lahm aus Prinzip ab. Prinzipienbrecher in Minute 50: Da gab’s Gelb für ein Foul gegen Simao.
Christoph Metzelder
Die Beschattung von Nuno Gomes war ihm bald zu langweilig, marschierte nicht nur bei Freistößen frech in den gegnerischen Strafraum. Ansonsten standorttreu, was leider auch dann galt, wenn die Portugiesen schnell kombinierten. Hielt tempomäßig mit Ronaldo nicht mit. Komisch. Blieb mindestens so ruhig wie Arne Friedrich, spielte seine Routine aus.
Arne Friedrich
“Bin ruhig”, teilte der Berliner Verteidiger auf der DFB-Homepage mit, als er zu seinen Erwartungen über das Treffen mit Ronaldo befragt wurde. Stoppte den portugiesischen Superhelden nach zwanzig Minuten mitten im Strafraum in letzter Instanz – ganz ruhig. Wurde rechts hinten von wechselnden Gegenspielern schwer gefordert, hielt sich meist tapfer.
Per Mertesacker
Stand sehr tief, und wenn es im modernen Fußball nicht absolut verboten wäre, vom Libero zu sprechen, dann müsste man Mertesacker einen Libero in der Viererkette nennen. Versuchte, all das wegzuräumen, was die Sechser vor ihm übrig gelassen hatten – tat das meist souverän, bis zur 40 Minute, als ihn der portugiesische Konter auf dem falschen Fuß erwischte. Stand falsch, und wenn Ronaldo einmal ins Laufen kommt, fangen ihn auch die längsten Beine nicht mehr ein. In der zweiten Hälfte als Leuchtturm eingesetzt; spielte jetzt nicht mehr Libero, sondern Stopper. Bolzte die Bälle raus.
Simon Rolfes
Kam bisher nicht vor bei der Euro, gehörte aber nach verlässlichen Angaben des DFB immer zur deutschen Reisegesellschaft. Meldete seine Ansprüche für die Zeit nach Frings an: Ein stabiler, aufrechter Sechser, der gerade Pässe nach vorne spielt. Beharrlich im Zweikampf, sicher am Ball, gutes Gespür für den Raum. Transfer aus der Leverkusener Uefa-Cup-Welt ins EM-Viertelfinale glückte erstaunlich bruchlos.
Thomas Hitzlsperger
War der andere von zwei sogenannten “Sechsern” und hatte das Pech, dass der zweite Sechser auch ein Linksfuß ist. Fand sich deshalb im halbrechten Bereich des Mittelfeldes wieder, einer Gegend, die er sonst nur vom Warmlaufen kennt. Versuchte gemeinsam mit Rolfes, die portugiesischen Pässe in die Spitze zu verhindern. Eine Aufgabe, die den ganzen Mann brauchte: Kam selten dazu, seine Schussstärke einzusetzen. Lieferte sich mit Rolfes einen Wettbewerb, wer weniger Fehler macht.
Lukas Podolski
Defensiv für seine Verhältnisse pedantisch, ein Schüler, der lernen, lernen, lernen will. Tapfer und erstaunlich oft siegreich in den Zweikämpfen mit den gegnerischen Virtuosen, unerschrocken nach vorn. Großartiger Flügellauf vor dem 1:0. Großes Missverständnis bei Portugals Anschlusstreffer: Steht am falschen Fleck und reißt dadurch ein Riesenloch in deutsche Deckung – Schüler machen Fehler. Defensiv auf diesem Niveau immer ein kleines Sicherheitsrisiko, aber offensiv unverzichtbar.
Michael Ballack
Durfte das gegnerische Tor endlich mal wieder aus der Nähe besichtigen. Spielte meist direkt hinter Klose. War der deutsche Deco, rochierte durch die Gegend, vom linken auf den rechten Flügel und durch die Mitte und zurück, eine Art offensiver Libero. Manchmal fast zweite Spitze. Die neue Rolle tat ihm gut. Am ersten Tor per Doppelpass entscheidend beteiligt. Sein bestes EM-Spiel vor den Augen seines neuen Vereinstrainers Felipe Scolari, der sicherlich bemerkt hat, wie wertvoll Ballack in der Nähe des gegnerischen Tores ist – erst recht bemerkte er es beim 3:1.
Bastian Schweinsteiger
Eines Tages wird ihm der portugiesische Torwart Ricardo in einer dunklen Ecke auflauern, um Rache zu nehmen. Wie bei den bisherigen Treffen war Schweinsteiger Ricardos Albtraum: Tor zum 1:0, Vorlage zum 2:0, Vorlage zum 3:1. Dieses Spiel sollte sein großer Start ins Turnier werden, und so kam es auch. Spielte im neuen 4-2-3-1-System wie aufgedreht, auf der angeblich verkehrten rechten Seite, inspiriert von der portugiesischen Lust am Spiel. Der Schlingel hat die Zeit seiner Sperre offenbar genutzt, um Standardsituationen zu trainieren.
Miroslav Klose
Begann so, wie man ihn kannte von diesem Turnier: verzagt, unentschlossen, demütig. Als einzige echte Spitze dort gefragt, wo es richtig heiß wird. Aber meistens hielt er sich lieber in den gemäßigten Klimazonen auf. Nach 26 Minuten erwacht, als er Schweinsteigers Freistoß mit Schwung ins Ziel brachte. Danach selbstbewusster und präsenter, wenn auch nicht so selbstbewusst und präsent wie in seinen besten Zeiten.
Tim Borowski
Kam für Hitzlsperger, übernahm dessen Rolle. Ein Trick, der Portugal verwirrte: Sieht von ferne gleich aus wie Rolfes.



