Was als Befreiungsschlag gedacht war, endete wieder einmal als Hieb in den Nacken – und der tat richtig weh.
Statt den Rückstand auf den FC Bayern München mit einem Erfolg über den VfL Wolfsburg zu verkürzen, kassierte Werder Bremen gestern Abend gegen Wolfsburg eine 0:1 (0:0)-Heimschlappe und stürzte nach dem 4:1-Erfolg von Bayer Leverkusen gegen Nürnberg sogar vom zweiten auf den vierten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga ab.
Damit rutscht Werder nicht nur aus den Champions-League-Rängen, sondern noch tiefer in die Krise.
Das Tor des Abends erzielte vor 39831 Zuschauern Stürmer Grafite in der 50. Minute, als Werder bei einer eigenen Ecke die Absicherung vernachlässigten und von Marcelinho und Graftite klassisch ausgekontert wurden. Dass der Pass auf den Wolfsburger Kapitän abseitsverdächtig war, wollten die Werder-Profis erst gar nicht als Ausrede anführen.
Sie wussten: Wir haben da mal wieder richtig gepennt.
Schon bei der 3:6-Peinlichkeit in Stuttgart hatten sich die Bremer ähnliche Tore eingefangen. “So etwas darf einfach nicht passieren. Da haben wir geschlafen”, meinte Kapitän Frank Baumann.
“Es scheint, als hätten wir aus Stuttgart nichts gelernt”, grantelte Bremens Trainer Thomas Schaaf, dem die Enttäuschung über die Pleite deutlich ins Gesicht geschrieben stand.
Freilich, Werder steckten die Belastungen der vergangenen Wochen in den Knochen. Zudem spielten die Bremer ohne die gesperrten Diego und Per Mertesacker, Tim Borowski musste kurzfristig wegen muskulärer Probleme passen und Daniel Jensen sowie Patrick Owomoyela fielen während der Partie verletzt aus. “Das sind immer neue Rückschläge”, meinte Schaaf, “doch wir heulen jetzt nicht rum.
Wir hatten eine Mannschaft auf dem Platz, die durchaus die Möglichkeit gehabt hätte, das Spiel zu gewinnen. Doch wir machen die Bude einfach nicht.” Ein Manko, das sich schon seit Wochen wie ein roter Faden durch das Bremer Spiel zieht.
Die größten Chancen, sich zumindest in ein Unentschieden zu retten, vergaben der starke Aaron Hunt (60.) und Mittelfeldspieler Mesut Özil (78.) jeweils freistehend aus kurzer Entfernung. Zudem hatten auch Markus Rosenberg und Hugo Almeida gute Einschussmöglichkeiten. “Zwischen Aufwand und Ergebnis klafft eine Riesenlücke. Das passt einfach nicht zusammen”, ärgerte sich Schaaf. Und dann kam auch noch Pech hinzu: Wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre, hätte Schiedsrichter Lutz Wagner (Kriftel) das Tor von Daniel Jensen in der 23. Minute gegeben. Der Referee hatte auf Abseits entschieden, obwohl die Fernsehbilder eindeutig belegten: Passgeber Aaron Hunt stand nicht im Abseits. “Da kommt dann alles zusammen”, stöhnte Werder-Sportchef Klaus Allofs.
Für den 51-Jährigen ist der hohe Kraftverlust in den vergangenen Wochen das Hauptübel für die Werder-Krise. “Wenn ich keine Kraft habe, bin ich nicht mehr so gedankenschnell, dann fehlen mir auch Spritzigkeit und Konzentration”, meinte Allofs.
Auch Wolfsburgs Trainer Felix Magath hatte eine zum Schluss müde Bremer Mannschaft gesehen. “Für uns war es der richtige Zeitpunkt hier zu spielen, weil Werder eine hohe Belastung sowie viele verletzte und gesperrte Spieler hatte. Das hat uns in die Karten gespielt”, sagte der ehemalige Werder-Coach: “Schlussendlich haben wir die Drangperiode der Bremer ruhig überstanden und verdient gewonnen.”
Eine treffende Analyse. Denn hätte Werder-Keeper Tim Wiese in der Schlussphase nicht noch viermal glänzend reagiert, die Bremer Pleite wäre deutlicher ausgefallen.